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Zeitreise für die Schulministerin

Sylvia Löhrmann besucht ihr „altes“ Gymnasium

Von Susanne Schnabel

Foto: Ein ganz besonderer Schulbesuch für die Ministerin Ein ganz besonderer Schulbesuch für die Ministerin

Gespräche mit Schülern, Schulleitern und Lehrern, ein Rundgang durch das Schulgebäude – das ist Routine für Sylvia Löhrmann. Aber diesmal sagt die Schulministerin: „Ich bin sehr gespannt.“ Denn in dieser Schule hat sie selber die Schulbank gedrückt, und zwar sehr gerne. Sylvia Löhrmann besuchte das Beatae Mariae Virginis-Mädchen-Gymnasium in Essen.

„Sie ist ein bisschen älter geworden, sonst hat sie sich nicht verändert“, sagt Schwester Aloisa von den Augustiner-Chorfrauen der Beatae Mariae Virginis (BMV), die seit 43 Jahren an diesem Gymnasium erleben kann, wie aus Mädchen junge Frauen werden. Dass eine ehemalige Schülerin eine solche Karriere geschafft hat, erfüllt hier alle mit Stolz. Schulleiterin Schwester Ulrike hatte die Ministerin an die Schule eingeladen und freut sich, dass sich Sylvia Löhrmann knapp zwei Stunden Zeit nimmt, für Gespräche mit Lehrern, Schülerinnen und Eltern. Dabei wird für Sylvia Löhrmann so manche Erinnerung an die eigene Schulzeit wieder wach: Von 1966 bis 1975 hat sie die Schule besucht und hier ihr Abitur gemacht.

Foto: Löhrmann: „In dem Raum hatte ich mal Unterricht“ Löhrmann: „In dem Raum hatte ich mal Unterricht“

Zum ersten Mal in den „Heiligen Hallen“

Souverän und ohne Berührungsängste führen die Mädchen der Schülervertretung Sylvia Löhrmann durch verschiedene Räume ihrer Schule: Bücherei, Schulgarten, Cafeteria, Sekretariat und Kollegiumszimmer. Dort flüstert eine Lehrerin: „In den ‚heiligen Hallen‘ war sie als Schülerin nie drin“. Stimmt, dafür wird sie hier heute vom BMV-Kollegium herzlich begrüßt und beschenkt mit Süßem, einer Schultasse und der aktuellen Schulchronik. Beim Rundgang durch die Schule plaudert die Ministerin mit den Schülerinnen über den Schullalltag in den 70er Jahren, die Vor- und Nachteile einer reinen Mädchenschule. Und sie erzählen sich Anekdoten. Sylvia Löhrmann erinnert sich an ihr Abitur. „Französisch hat gut geklappt, obwohl mir das gar nicht so wichtig war, und die Prüfung zum Thema ‚100. Geburtstag von Thomas Mann‘, die mir sehr am Herzen lag, ist schief gegangen“, sagt die gebürtige Bergeborbeckerin und betont, wie wichtig diese Schule für ihre persönliche und berufliche Entwicklung war: „Hier habe ich gelernt: Frauen können alles!“

Foto: 1.350 Schülerinnen besuchen das BMV-Gymnasium 1.350 Schülerinnen besuchen das BMV-Gymnasium

Zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück

Stark beeindruckt hat sie ihr Religionslehrer. „Wegen Herrn Franken bin ich zu den Grünen gegangen. Wir diskutierten über das geplante Atomkraftwerk in Kalkar und er fragte, ob das wohl im Sinne der Schöpfung sei. Wir hätten die Erde nur von unseren Kindern geborgt. Das hat mich stark geprägt“, so die 53-Jährige. An den Mathelehrer erinnert sie sich nicht so gern. „Der sagte mal: Sylvia, steh mal auf. Du kannst kein Mathe. Deine Schwester kann auch kein Mathe.“ Sie wohnte damals in Witten und musste jeden Tag zwei Stunden Fahrzeit zur Schule in Kauf nehmen. „Ich habe während der Fahrt viel gelesen und gestrickt. Leider konnte ich nicht an so schönen Aktionen wie der Theater-AG teilnehmen“, so Löhrmann.

Foto: Schulleiterin Schwester Ulrike zwischen Schülerinnen (Fotos: Susanne Schnabel) Schulleiterin Schwester Ulrike zwischen Schülerinnen (Fotos: Susanne Schnabel)

Viele Fragen an die Ministerin

Schulleiterin Schwester Ulrike zwischen Schülerinnen Bei einer Gesprächsrunde mit Schülerinnen aus den Leistungskursen Deutsch und Geschichte stellen die jungen Frauen politische und private Fragen. Sie möchten wissen, ob die Ministerin in der Frauenbewegung aktiv war, wie sie zu Studiengebühren steht, zur Frauenquote und wie ihr Arbeitsalltag aussieht. Löhrmann beantwortet geduldig und ausführlich alle Fragen und macht zum Schluss den Schülerinnen Mut: „Machen Sie in Ruhe Ihr Abitur. Sie finden schon alle Ihren eigenen guten Weg.“ Die 14-Jährige Lea, Schülerin und Reporterin der Zeus-Zeitung und ihre Kollegin Nici (13 Jahre) haben den Besuch von Sylvia Löhrmann von Anfang bis Ende begleitet. Ihr Fazit: „Sie ist von ihrer Sache überzeugt und kann sehr gut argumentieren.“ Die Mädchen haben alles fleißig aufgeschrieben, Mitschnitte gemacht und werden für die nächste Zeus-Ausgabe eine Reportage schreiben. Die beiden sind sich mit der Ministerin einig: „Das war ein spannender Termin“.

 

Homepage des B.M.V.-Gymnasiums

Homepage von Sylvia Löhrmann

 

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