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Mobbing - Schikane in der Schule

Berichtet Ihr Kind von Querelen mit Klassenkameraden? Nicht immer ein Grund zur Sorge. Doch wenn die Probleme anhalten und Ihr Kind leidet, sollten Sie dringend helfen.

von Ursula Zipperer

Wie läuft Mobbing ab?

Einer oder mehrere Schüler attackieren einen einzelnen, der sich nicht wehren kann, und das über Wochen oder Monate – das ist das Muster von Mobbing. Opfer werden kann jeder, da sind Experten sich weitgehend einig. „Jeder hat Stärken und Schwächen, die gegen ihn verwendet werden können“, räumt Psychologin Mechthild Schäfer von der Universität München mit einem Vorurteil auf. Es treffe nicht das sommersprossige Kind oder das Kind mit der Brille. „Mobbing ist ein Gruppenphänomen.“ Gibt es keine klaren Verhaltensregeln in einer Klasse, versuchen die Stärkeren durch Mobbing der Schwächeren ihre eigene Position weiter aufzuwerten. Eine halbe Million Schülerinnen und Schüer in Deutschland leidet unter Mobbing durch Gleichaltrige, schätzen Experten.

Wie können Sie erkennen, ob Ihr Kind gemobbt wird?

„Eltern von Mobbing-Opfern bemerken, dass ihr Kind bedrückter wird oder aggressiver“, beschreibt Ellen Glanz-Born vom Schulpsychologischen Dienst der Stadt Köln. „Manche Kinder klagen auch über Kopfschmerzen oder Übelkeit, wenn sie in die Schule müssen oder beginnen zu schwänzen.“ Weitere merkliche Anzeichen könnten ein Absacken der Noten oder deutlich geringerer Kontakt zu Freunden sein. „In all diesen Fällen sollten die Eltern mal nachfragen, was los ist“, empfiehlt die Schulpsychologin. „Gemobbt zu werden, ist zusätzlich mit Scham besetzt. Das erzählen Kinder und Jugendliche ihren Eltern ungern.“ Manchmal habe der Kummer des Kindes auch andere Gründe, etwa Überforderung in der Schule.

Foto: Am wichtigsten ist, dass Eltern ihren Kindern zeigen: Du hast meine volle Rückendeckung. (Foto: Dan Moore/iStockphoto) Am wichtigsten ist, dass Eltern ihren Kindern zeigen: Du hast meine volle Rückendeckung. (Foto: Dan Moore/iStockphoto)

Kann Mobbing meinem Kind nachhaltig schaden?

Mobbing steht im Verdacht, als Modethema aufgebauscht zu werden. Das ist falsch, belegte jüngst eine Studie der Universität Lüneburg. Wochenlange Schikane kann bei Schülern erheblichen Schaden hinterlassen: Betroffene sind häufiger krank als ihre Klassenkameraden. „Unser zentrales Ergebnis ist, dass die Auswirkungen von Mobbing genau so schlimm sind wie die von Gewalt“, sagt Uni-Pädagogin Silke Rupprecht. Rund 14 Prozent der gemobbten Schüler leiden regelmäßig unter Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen oder unter Schlafstörungen. „Die können sich zu einer richtigen Erkrankung auswachsen.“ Außerdem schätzten Gemobbte ihre eigene Leistungsfähigkeit schlechter ein und seien unzufriedener mit ihrem Aussehen.

Wie reagieren Eltern am besten?

„Am wichtigsten ist, dass Eltern ihrem Kind zeigen: Du hast meine volle Rückendeckung und wir packen dieses Problem an“, sagt Schulpsychologin Glanz-Born. Wenn Mütter und Väter selbst Unterstützung brauchen, bekommen Sie diese bei Beratungsstellen wie den Schulpsychologischen Diensten Nordrhein-Westfalens. Zudem sollten Eltern sich umgehend an die Lehrer ihres Kindes wenden. Deren Aufgabe sei es, das Mobbing in der Schule zu beenden. „Opfer können ein Mobbing-Tagebuch führen, damit die Lehrer wissen, was wann wo passiert ist“, rät Glanz-Born. Und auch wenn Eltern bei Mobbing erlebten, wie sehr das eigene Kind in Not ist und es deshalb schwer falle – „es hilft, gelassen zu bleiben.“

Was Eltern bei Mobbing auf keinen Fall tun sollten

„Eltern sollten ihrem Kind nicht erst einmal sagen: Du musst dich wehren!“, warnt Schulpsychologin Glanz-Born. „Das hat das Kind bereits versucht und nicht geschafft.“ Hilft es, wenn die Eltern des Opfers mit den mobbenden Schülern sprechen? „Bestimmt nicht“, erklärt Mobbing-Forscherin Schäfer. „Das Einschreiten der Eltern wird seitens der Täter als Schwäche des Opfers interpretiert werden – und die Täter werden sich dadurch aufgewertet fühlen.“ Auch sollten die Eltern des Opferkindes nicht die Eltern der Täterkinder ansprechen, erklärt die Psychologin. „Die Eltern des Täters werden ihr Kind in Schutz nehmen und damit dessen Verhalten billigen. Oder sie bestrafen es, wofür es sich wahrscheinlich am Opfer rächen wird. Beide Alternativen bedeuten eine Verschlechterung der Situation für das Opfer.“

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